Werbegeschenke: Was ist eigentlich das Problem?
Es ist anscheinend ein schwieriger Job, Werbegeschenke zu entwickeln, die vom Empfänger auch wirklich als Geschenk empfunden werden. Vor allem Menschen, die in Agenturen arbeiten oder irgendwie mit der Medienbranche verbunden sind, kennen es: Man bekommt haufenweise Zeug zugeschickt, das ziemlich schnell in den Mülleimer wandert.
In den letzten Jahren hatten USB-Sticks Hochkonjunktur, und als die noch nicht haufenweise in den Schubladen lagen, war das auch sicherlich eine gute Idee. Inzwischen unterliegen die Speicherelemente aber einer starken Inflation – der Sinn des Give-Aways als Mittel Aufmerksamkeit zu erregen, ist deshalb dahin. Mit Stiften ist es eine ähnlich Sache, Schlüsselanhänger waren schon immer sinnlos. Denn wer will schon ein Logo von einer Fremdfirma am Bund herumtragen. Was denken sich die Leute eigentlich.
Tassen sind heute nicht mehr so gängig, man kann sie einfach nicht so gut verschicken. Und auch T-Shirts sind rar geworden. Obwohl die eigentlich in Zeiten, wo die Leute Retro-Logos cool finden, wieder besser eingesetzt werden könnten. Natürlich müsste es dann auch eine Ausführung für Frauen geben. Eine Standard-Variante in L – die wahrscheinlich für den Durchschnitts-Menschen sein soll – findet auch dann einfach nicht viele Träger, wenn der Druck auf dem Shirt eigentlich gut ist. Potenzial wäre also da.
Was gibt’s noch? Esswaren werden eigentlich nicht schlecht angenommen, wenn sie nicht allzu billig aussehen und schmecken. Und das tun sie meistens. Eigentlich geht (gute) Schokolade immer. Und auch noch vertretbar sind saisonal abhängige Produkte wie Schneekratzer im Winter, Regenschirme im Herbst (selten) oder Sonnenschutzmittel in der warmen Jahreszeit. Die sind sogar eine ziemlich gute Idee. Braucht man nämlich auch gerne mal in der Mittagspause. Und natürlich sind auch andere epochale Ereignisse wie die Fußball WM Anlass, das die Werber zu Hochtouren auflaufen und alle erdenklichen Produkte in Schwarz-Rot-Gold/Gelb auf den Markt bringen. Das ist OK, solange es sich um Dinge handelt, mit denen man etwas Sinnvolles machen kann.
Aber dennoch liebe Entwickler, warum ist es so schwer, etwas Nützliches und Lustiges zu gestalten, bei dem man wirklich einmal aufmerkt. Eine schön bedruckte Jute-Tasche zum Beispiel. Die Dinger sind inzwischen modern. Oder Socken – kann man auch immer brauchen. Meinetwegen auch Anspitzer, man könnten ihnen ja mal eine geschmeidige Form verpassen. Klar, sind die Produktionskosten wichtig. Aber billiger als ein Stick geht’s doch fast immer, oder? Jedenfalls wird es Zeit, dass sich einmal Menschen der Sache annehmen, die verstehen, was für Kinkerlitzchen man so brauchen könnte.